Buchhaltung outsourcen oder selbst machen? Kosten-Vergleich 2026
Zuletzt aktualisiert: 18.06.2026
Ob du die Buchhaltung outsourcen oder selbst machen solltest, hängt vor allem von zwei Faktoren ab: wie viel deine Zeit wert ist und wie komplex deine Finanzen sind. Für einen Soloselbstständigen mit wenigen Transaktionen kostet eine gute Buchhaltungssoftware ab 6 Euro im Monat, während ein Steuerberater schnell 1.500 bis 4.000 Euro im Jahr kostet. Für eine GmbH dreht sich das Verhältnis um.
In diesem Artikel findest du einen Kosten-Vergleich für alle drei Varianten, eine Stundenwert-Kalkulation für das Selbermachen und eine klare Empfehlung je nach Unternehmenstyp.
Das Wichtigste in Kürze
- Selbst machen mit Software: ab 6 Euro/Monat, aber 5 bis 10 Stunden Zeitaufwand monatlich
- Outsourcen an Steuerberater oder Buchhalter: ab 149 Euro/Monat als Festpreis, bei klassischer Kanzlei 1.500 bis 4.000 Euro/Jahr für Einzelunternehmer und 7.000 bis 12.000 Euro/Jahr für die GmbH
- Hybridmodell: selbst buchen plus Steuerberater nur für den Jahresabschluss. Für viele ist das der günstigste Weg
- Entscheidungsregel: Wenn dein Stundenwert multipliziert mit deinem monatlichen Zeitaufwand die Outsourcing-Kosten übersteigt, lohnt sich das Auslagern finanziell
Was bedeutet Buchhaltung outsourcen?
Buchhaltung outsourcen bedeutet, einen oder mehrere Bereiche der Buchführung an externe Fachkräfte zu übergeben. Das kann die komplette laufende Buchführung sein, der Jahresabschluss, die Lohnbuchhaltung oder alle drei Bereiche gemeinsam.
Es gibt drei Teilbereiche, die du separat oder gemeinsam auslagern kannst:
- Laufende Buchführung: Erfassen und Verbuchen aller Belege, Kontoauszüge und Rechnungen (monatlich oder quartalsweise)
- Jahresabschluss und Steuererklärung: Bilanz oder EÜR, Körperschaftsteuer, Gewerbesteuer, Umsatzsteuer. Für GmbH und UG ist das gesetzlich vorgeschrieben und braucht immer einen Steuerberater
- Lohnbuchhaltung: Gehaltsabrechnungen für Mitarbeitende, Sozialversicherungsmeldungen, Lohnsteueranmeldungen
Wichtig: Buchhalter und Steuerberater sind unterschiedliche Berufe. Ein Buchhalter darf die laufende Buchführung erledigen, aber keine Steuerberatung leisten und keinen Jahresabschluss unterschreiben. Das darf nur ein zugelassener Steuerberater. Viele Unternehmer kombinieren daher beides: Buchhalter für die laufende Arbeit, Steuerberater für den Abschluss.
Die drei Optionen im Überblick
Option 1: Buchhaltung selbst machen (mit Software)
Du buchst alle Belege selbst in einer Buchhaltungssoftware und erledigst die Umsatzsteuervoranmeldungen per ELSTER. Für den Jahresabschluss beauftragst du einen Steuerberater.
Geeignet für: Soloselbstständige, Kleinunternehmer, Freiberufler mit wenigen monatlichen Transaktionen (bis ca. 50 Buchungen/Monat)
- Software kostet 6 bis 40 Euro/Monat (sevDesk ab 6,45 Euro, BuchhaltungsButler ab 12,48 Euro, Lexware ab 6,90 Euro)
- Zeitaufwand: 5 bis 8 Stunden pro Monat
- Volle Kontrolle über deine Zahlen
- Erfordert Grundwissen über Buchführung und Umsatzsteuer
Option 2: Hybridmodell: selbst buchen, Steuerberater für den Abschluss
Du buchst laufend selbst, gibst die fertigen Daten aus deiner Software an den Steuerberater weiter und lässt nur den Jahresabschluss und die Steuererklärung extern erledigen. Viele moderne Tools wie sevDesk oder Lexware Office haben direkte Schnittstellen zum Steuerberater oder zu DATEV.
Geeignet für: Wachsende Einzelunternehmen, GbR, Selbstständige mit mittlerem Transaktionsvolumen, GmbH-Gründer mit begrenztem Budget
- Spart Steuerberaterkosten für laufende Buchungen
- Jahresabschlusskosten: 300 bis 1.500 Euro für Einzelunternehmer, 2.500 bis 5.000 Euro für GmbH
- Erfordert ordentliche Belegführung und GoBD-konforme Software
Option 3: Vollständiges Outsourcing an Steuerberater oder Buchhalter
Du übergibst alle Belege und Kontoauszüge an einen externen Dienstleister, der die komplette Buchführung inklusive Steuererklärungen übernimmt. Moderne Festpreis-Kanzleien bieten das für GmbH ab 249 Euro/Monat an.
Geeignet für: GmbH und UG, Unternehmen mit mehr als 100 Buchungen/Monat, Selbstständige deren Stundenwert hoch ist, Gründer ohne Buchhaltungskenntnisse
- Monatliche Kosten je nach Unternehmenstyp und Anbieter
- Minimaler Zeitaufwand (unter 1 Stunde/Monat für Belegübergabe)
- Kein Fehlerrisiko bei Steuererklärungen
- Abhängigkeit von externem Anbieter und dessen Reaktionszeiten
Kosten-Vergleich: Buchhaltung outsourcen vs. selbst machen
Kosten für Soloselbstständige und Kleinunternehmer
Als Soloselbstständiger mit EÜR-Pflicht (Einnahmen-Überschuss-Rechnung) hast du die günstigsten Optionen:
| Variante | Monatliche Kosten | Zeitaufwand/Monat |
|---|---|---|
| Selbst machen mit Software | 6 bis 40 Euro | 5 bis 8 Stunden |
| Hybridmodell (Software + Abschluss beim Steuerberater) | 6 bis 40 Euro plus 150 bis 250 Euro/Monat anteilig | 3 bis 5 Stunden |
| Klassischer Steuerberater komplett | 125 bis 333 Euro (1.500 bis 4.000 Euro/Jahr) | unter 1 Stunde |
| Festpreis-Online-Steuerberatung | ab 149 Euro | unter 1 Stunde |
Als Soloselbstständiger lohnt sich Outsourcing erst dann finanziell, wenn dein Zeitaufwand beim Selbermachen teurer ist als die monatlichen Outsourcing-Kosten.
Kosten für Einzelunternehmen und GbR (mittlere Größe)
Mit steigendem Transaktionsvolumen steigt auch der Aufwand für die eigene Buchführung:
| Variante | Monatliche Kosten | Jahreskosten |
|---|---|---|
| Selbst machen (Software, 8 bis 10 h/Monat) | 15 bis 40 Euro | 180 bis 480 Euro (ohne Zeitwert) |
| Buchhalter für laufende Buchungen | 200 bis 500 Euro | 2.400 bis 6.000 Euro |
| Steuerberater komplett (klassisch) | 300 bis 700 Euro | 3.600 bis 8.400 Euro |
| Festpreis-Kanzlei komplett | 199 bis 299 Euro | 2.388 bis 3.588 Euro |
Kosten für GmbH und UG
GmbH und UG sind zur Bilanzierung verpflichtet und brauchen für den Jahresabschluss in jedem Fall einen Steuerberater. Die Frage ist nur, ob du die laufende Buchführung selbst erledigst oder ebenfalls auslagern willst.
| Variante | Monatliche Kosten | Jahreskosten |
|---|---|---|
| Selbst buchen plus Steuerberater für Abschluss (Hybrid) | 15 bis 40 Euro Software plus Abschlusskosten anteilig | 4.500 bis 7.500 Euro |
| Steuerberater klassisch komplett (ohne Preisgarantie) | 583 bis 1.000 Euro | 7.000 bis 12.000 Euro |
| Festpreis-Paket GmbH | 249 bis 369 Euro | 2.988 bis 4.428 Euro |
| Interner Buchhalter (Vollzeit, Vollkosten) | 6.118 bis 6.618 Euro | 73.400 bis 79.400 Euro |
Die Vollkosten eines internen Buchhalters setzen sich zusammen aus Bruttogehalt (rund 4.000 Euro), Arbeitgeberanteil Sozialversicherung (rund 840 Euro), Urlaubsvertretung und Krankheitstagen (rund 780 Euro) sowie einem Effizienzpuffer. In der Summe kostet das deutlich mehr als ein externer Dienstleister.
Opportunitätskosten: Was kostet deine eigene Zeit?
Die direkten Kosten der Software (6 bis 40 Euro/Monat) sagen nur die halbe Wahrheit. Dazu kommen die Opportunitätskosten, also der Wert der Arbeitszeit, die du in die Buchhaltung steckst statt in dein Kerngeschäft.
Formel: Monatliche Opportunitätskosten = Stundenwert x Stunden pro Monat
Drei Beispiele bei typischem Zeitaufwand von 7 Stunden pro Monat:
- Stundenwert 50 Euro: 350 Euro Opportunitätskosten im Monat
- Stundenwert 80 Euro: 560 Euro Opportunitätskosten im Monat
- Stundenwert 120 Euro: 840 Euro Opportunitätskosten im Monat
Schnellrechner: Multipliziere deinen Stundensatz mit deinem monatlichen Buchhaltungsaufwand. Liegt das Ergebnis über den monatlichen Kosten eines Outsourcing-Anbieters, lohnt sich das Auslagern, selbst wenn du die Buchhaltung technisch selbst erledigen könntest. Bei einem Stundenwert von 80 Euro und 7 Stunden Aufwand liegen die Opportunitätskosten bereits bei 560 Euro, also mehr als ein Festpreis-Steuerberater für Selbstständige kostet.
Buchhaltung selbst machen: Vorteile und Nachteile
Die Buchhaltung selbst zu erledigen bringt echte Vorteile, hat aber klare Grenzen:
Vorteile:
- Geringste direkte Kosten bei wenigen monatlichen Transaktionen
- Voller Überblick über Einnahmen, Ausgaben und Liquidität in Echtzeit
- Kein Datenweitergabe-Aufwand an externe Dienstleister
- Gutes Zahlenverständnis fürs eigene Unternehmen
Nachteile:
- Zeitaufwand von 5 bis 10 Stunden pro Monat, der nicht direkt Umsatz bringt
- Fehlerrisiko bei steuerlichen Besonderheiten (Vorsteuerabzug, Reisekosten, Investitionsabzugsbeträge)
- Kein Steuerberater als Ansprechpartner bei Betriebsprüfungen oder Nachfragen des Finanzamts
- Weiterbildungsaufwand bei sich ändernden Steuergesetzen, zum Beispiel bei der E-Rechnungspflicht
Buchhaltung outsourcen: Vorteile und Nachteile
Das Auslagern der Buchführung schafft Freiräume, kostet aber laufend Geld:
Vorteile:
- Zeitersparnis von bis zu 10 Stunden pro Monat laut Anbieterangaben
- Professionelle Qualität, korrekte Steuererklärungen, Unterstützung bei Betriebsprüfungen
- Keine eigene Software, keine Einarbeitung, kein Wartungsaufwand
- Steuerberater kennt Optimierungspotenziale wie Abschreibungen oder Investitionsabzugsbeträge
Nachteile:
- Laufende monatliche Kosten auch in umsatzschwachen Monaten
- Abhängigkeit von der Erreichbarkeit des externen Dienstleisters
- Datenweitergabe an externe Stelle erfordert gute Belegorganisation
- Weniger direkter Überblick über aktuelle Zahlen und Liquidität
Wann lohnt sich Buchhaltung outsourcen?
Diese vier Regeln helfen dir bei der Entscheidung:
- Du betreibst eine GmbH oder UG? Dann brauchst du einen Steuerberater für den Jahresabschluss, denn das ist gesetzlich vorgeschrieben. Die Frage ist nur, ob er auch die laufende Buchführung übernimmt oder ob du das selbst machst.
- Dein monatliches Transaktionsvolumen übersteigt 80 bis 100 Buchungen? Dann wird Selbermachen zeitintensiv und fehleranfällig. Ein Buchhalter oder Buchführungsservice kostet ab 200 Euro/Monat und ist dann oft günstiger als deine Eigenleistung.
- Dein Stundenwert liegt über 60 Euro? Dann übersteigen deine Opportunitätskosten beim Selbermachen (7 Stunden x 60 Euro = 420 Euro) die Kosten eines günstigen Outsourcing-Anbieters. Outsourcing ist finanziell rational.
- Du hast keine Buchhaltungskenntnisse? Dann lohnt sich Outsourcing von Anfang an. Fehler bei Umsatzsteuer oder Vorsteuerabzug können teuer werden.
Die Schwellenwerte für die Pflicht zur doppelten Buchführung liegen bei 600.000 Euro Jahresumsatz oder 60.000 Euro Jahresgewinn. Unterhalb dieser Grenzen reicht die Einnahmen-Überschuss-Rechnung, was die Software-Option stark vereinfacht.
Lohnbuchhaltung separat outsourcen?
Sobald du Mitarbeitende beschäftigst, kommt Lohnbuchhaltung als eigenständiger Bereich hinzu. Gehaltsabrechnungen, Sozialversicherungsmeldungen und Lohnsteueranmeldungen folgen eigenen Regeln und Fristen.
Die meisten Steuerberater berechnen 20 bis 35 Euro pro Mitarbeiter pro Monat für die Lohnbuchhaltung. Bei drei Mitarbeitenden wären das 60 bis 105 Euro/Monat zusätzlich zur Buchführung.
Alternative: Spezialisierte Lohnbuchhaltungssoftware ermöglicht es dir, Gehaltsabrechnungen selbst zu erstellen. Der Zeitaufwand liegt bei ca. 1 bis 2 Stunden pro Mitarbeitenden pro Monat.
Die richtige Buchhaltungssoftware wenn du selbst buchst
Wenn du dich fürs Selbermachen entscheidest, lohnt sich eine cloudbasierte Software mit automatischem Bankabgleich und GoBD-konformer Belegerfassung:
| Software | Einstiegsplan | Besonders geeignet für |
|---|---|---|
| sevDesk | ab 6,45 Euro/Monat | Freelancer, Kleinunternehmer |
| Lexware Office | ab 6,90 Euro/Monat | Einzelunternehmer, EÜR |
| BuchhaltungsButler | ab 12,48 Euro/Monat | Automatisierung, Bankabgleich |
| Papierkram | kostenlos möglich | Soloselbstständige |
Alle vier Tools bieten DATEV-Export-Schnittstellen, sodass du im Hybridmodell deine gebuchten Daten direkt an den Steuerberater übergeben kannst. Das spart Beratungszeit und damit Kosten beim Jahresabschluss.
Fazit: Selbst machen oder auslagern?
Die richtige Entscheidung hängt von deinem Unternehmenstyp ab:
- Soloselbstständige und Kleinunternehmer mit wenigen Transaktionen und EÜR-Pflicht: Buchhaltungssoftware ab 6 Euro/Monat selbst buchen und Jahresabschluss beim Steuerberater lassen. Das Hybridmodell ist meist am günstigsten.
- Wachsende Einzelunternehmen und GbR mit steigendem Transaktionsvolumen: Sobald dein monatlicher Zeitaufwand 6 bis 8 Stunden übersteigt und dein Stundenwert über 60 Euro liegt, prüfe die Kosten eines Buchhalters oder Festpreis-Anbieters.
- GmbH und UG: Jahresabschluss beim Steuerberater ist Pflicht. Für die laufende Buchführung lohnt sich ein Festpreis-Paket (249 bis 369 Euro/Monat) statt einer klassischen Kanzlei ohne Preisgarantie.
Mehr über den Autor:
Max Benz hat einen Master of Science-Abschluss in Betriebswirtschaftslehre von der Technischen Universität Dresden und ist Gründer von geschaeftskonto.io, einer Marke der LBC FInance UG. Er hat schon einige Unternehmen gegründet und Geschäftskonten eröffnet. Sein Wissen darüber teilt er auf geschaeftskonto.io.